Life of a Cripple Part 1

20. November 2016
Veröffentlicht von Shemaiah Siegenthaler

Das Leben als Krüppel ist anders. Anstatt die abwechslungsreichen Facetten des Lebens zu geniessen, liegt man meistens im Bett. Anstatt ins Training zu gehen, liegt man im Bett. Anstatt zu gehen, wohin auch immer, oder zu springen und zu hüpfen, liegt man im Bett.
Auf die Frage „Was geht?“ ist die einzige zutreffende Antwort nur „Naja, ich nicht.“ Und beim Aufnehmen der Frage „Wie läuft’s denn so?“ muss man sich des Öfteren beherrschen, die linke Krücke nicht fallen zu lassen und die Rechte dafür zu nutzen dem sonst so geschätzten Gegenüber in seine Visage zu ballern. Aber ansonsten ist es eigentlich gar nicht allzu tragisch.
Mein neuer bester Freund der Fernseher
Als ich vor 4 Wochen mein linkes Knie operieren musste, war mir schon klar wie die nächsten Wochen so sein werden, da dieser momentane Krüppelfall nicht gerade mein erster ist. Ich habe mir schon im wohlig warmen und kuschligen Spitalbett vorgenommen, gleich am darauffolgenden Tag einen kurzen Beitrag über mein Krüppeldasein zu entwerfen. Dieser Vorsatz wurde allerdings verworfen, da ich wohl vergessen hatte, was ein Krüppel so macht: Nichts. Von Tag zu Tag habe ich mir immer wieder das gleiche vorgenommen und habe es trotz all der überschüssigen Zeit erst jetzt geschafft, einen kleinen Teil meines verkrüppelten Lebens zu teilen.
Wie so oft merkt man erst, was einem fehlt und wie viel Wert es hat, wenn man es nicht mehr besitzt. Plötzlich bekommen ganz und gar alltägliche Aufgaben die verzückende Härte einer wahren Challenge. Als ich mir zum Beispiel ein Brot strich, um es gemütlich vor dem Fernseher zu verzerren, da der Fernseher sozusagen mein neuer bester Freund wurde, habe ich realisiert, dass das gar kein so einfaches Unterfangen ist.
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Von der Küche zum Sofa, locker 10’000 Milimeter!!
Ich hatte ja gar keine Hand frei, um das Sandwich zu transportieren und trotz meiner grossen Fresse reichte deren Volumen nicht aus. Man fragt sich: „ Wieso denn das Sandwich nicht einfach in der Küche verputzen?“ – Gute Frage, aber als Krüppel gibt es immer wieder Dinge, die man sich nicht nehmen lassen will. Ich bin ein gemütlicher Krüppel und kein gestresster Gehender, also ist das gemütliche Sofa mein Spot und nicht die gestresste Küche! Ich sah zum Brot, dann zum Sofa, Blick geht wieder zum Brot, kurz zur Krücke, zu meinem versteiften linken Knie und wieder zurück zum Brot, als ich dann schweren Herzens die eine Krücke an der Küchenablage anstellte. Ich schenkte ihr einen dankenden Abschiedskuss und wischte mir eine kullernde Träne von der Wange und bereitete mich mutig auf meinen Weg vor von der Küche zum Sofa, locker 10’000 Millimeter! Ob ich es bis zum Sofa und meinem wohlverdienten Snack schaffe erfahrt ihr in der nächsten Episode von Life of a Cripple!

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Dieser Artikel wurde verfasst von Shemaiah Siegenthaler

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