Life of a Cripple Part 2

30. November 2016
Veröffentlicht von Shemaiah Siegenthaler

Erinnert Ihr euch noch an mein krüppeliges Leben? Hier eine klitzekleine Auffrischung: Verkrüppeltes Knie und die Challenge ein majestätisches Sandwich von der Küche zum Sofa zu transportieren…
Der hinterlassenen Krücke schenkte ich noch einen Abschiedskuss und zerdrückte mir einige Tränen, die mir der Abschied von meinem guten Freund und Helfer in die Augen zu treiben versuchte. Nach diesem tränenreichen Abschied machte ich mich ohne noch einmal zurückzublicken auf den Weg. Die Krücke in meiner linken Hand agierte als Verstärkung des Beines, das sich auf Ärztliche Erpressung hin mit weniger als 15Kg zufriedengeben musste. „Schritt“ für „Schritt“ ging es dann los auf meinem steinigen Weg Richtung gemütliches Sofas. Nach 15 äusserst anstrengenden, atemraubenden und zerberstenden Minuten konnte ich mich nun endlich auf das Sofa setzen und das wohlverdiente Sandwich in mir aufnehmen und es in meinem Mund zerfliessen lassen, wie man das nur als wahrer Challenge-Accomplisher tun kann! Und ja selbstverständlich: Es war ein Super Sandwich!
the-adventures-of-broken-leg-guy
Es ist, als würde man das Laufen neu erlernen, nur mit vollem Bewusstsein und halt ohne Schnuller!
Jedenfalls: So ist das als Krüppel. Man lernt sich den neuen Umgebungen und Gegebenheiten anzupassen, wie man dies auch sonst im Leben tun muss. Obwohl ich wirklich niemandem das Krüppeldasein empfehlen würde, gibt es trotzdem eine Zeit, in der das Leben als Krüppel wahrlich motivierend ist. Denn nach all der anstrengenden und nervenden Zeit, kommt dann auch immer die Aufbauphase, die Aufstiegsphase. Jeden Tag macht man Fortschritte und spürt, wie man stärker wird. Man beginnt die Muskeln zu stählen und plötzlich sieht die Welt gar nicht mehr so grau aus, wie man sie die letzte Zeit erlebt hatte. Und plötzlich antwortet man auf die Frage „Was geht?“ nur noch super happy mit „ICH!“. Es ist, als würde man das Laufen neu erlernen, nur mit vollem Bewusstsein und halt ohne Schnuller. Es ist, als würde einem ein neues Knie geschenkt werden. Eines, das nicht immer rumnervt wie eine blöde Zicke. Es ist wie das Frühlingserwachen, wo die farbigen Blüten wieder spriessen und der Körper sich vollpumpt mit Endorphinen und das Leben wieder als wunderschön bezeichnet werden kann. Einfach wunderschön…

Kategorisiert in:

Dieser Artikel wurde verfasst von Shemaiah Siegenthaler

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.