Life of a Cripple Part 3

9. Dezember 2016
Veröffentlicht von Shemaiah Siegenthaler

So, nachdem die «harte» Krüppelzeit vergangen war und ich wieder beginnen durfte, mein Krüppelknie zu belasten, da ging’s wieder los. Ich durfte wieder gehen; fast wie ein normaler Gehender. Noch immer eher humpelnd als laufend, musste das Karma wohl gedacht haben, ich hätte meine bisherige Krüppelzeit ach so powervoll durchschritten, denn sie schenkte mir sozusagen einen Krüppelkumpel, um gemeinsames Krüppelzeugs zu erleben…
Nur der, der weiss wie etwas nicht geht, kann wissen wie etwas geht.
Ein jeder Krüppeltag beginnt meistens sehr ähnlich. Man wacht auf, denkt «Scheisse. Aufstehen.». Naja, man steht also auf, schaut sich mal das Krüppelknie an. Streichelt es kurz ganz lieb und LÄUFT in das Bad. Zähne geputzt, ein paar Grimassen in den Spiegel gezogen und schon vibriert das Telefon. Der Krüppelkumpel lädt ein zu Kaffee & Sandwich. «Wer mag schon Kuchen? » Traceure, spätestens nach einem leckeren Sandwich. Am liebsten aus Zutaten, der eigenen, natürlichen, biologischen und mit viel Liebe begossener Ernte; natürlich vegan! Also machte ich mich so gegen halb vier Uhr nachmittags auf zu meinem Krüppelkumpel. Sein Name: Flo a.k.a. Chlobi. Und an dieser Stelle muss wohl noch gesagt sein, dass wir uns vollends bewusst sind, dass diese Krüppelvorfälle in dieser kurzen Zeit unsere Autorität und Authentizität als Trainer dieser bombastischen Sportart womöglich ein bisschen vermindern. Doch glauben wir auch, dass nur der, der weiss wie etwas nicht geht, wissen kann, wie es geht! Uuuuund wieder zurück. Ich kam da also an und uns war schon bei ersten Kaffee&Sandwich-Treffen klar, was zu tun ist: Ich mache Kaffee und Chlobi bereitet Sandwiches zu. Auf dem Balkon schwärmten wir gelassen von unserem Krüppelbonus; «Punkt. Komma,?»; Strichpunkt! Sogar Omas sehen uns als schwach an, ohne zu wissen, was wir wirklich sind: Wir sind Powerkrüppel! Zwar gemütlich, aber powervoll! Ach ja; und genossen zusammen das Sandwich…
Kaffee & Sandwiches, eine traumhafte Kombination!
Das Sandwich verdrückt, geht es wieder hinein ins Warme. Zum Tisch gekrüppelt, stellte Chlobi seine Krücken an den Tisch an und wir setzten uns auf die dicken Stühle. Wir plauderten munter weiter über das Krüppeldasein und die erstaunlich vielen Vorzüge, die es einem mitbringt. Wart ihr mal mit Krücken an einer Party? All die Menschen behandeln einem mit unglaublich viel alkoholbedingter Sorgfalt und helfen einem wo’s nur geht; zuckersüss. Einmal da hatte ein betrunkener Herr einen so starken Drang sein Mitgefühl in Taten umzusetzen, dass er mich durch die ganze betrunkene Masse eskortierte, indem er vor mir ging und alle Menschen wie ein Schneepflug von mir wegschubste. Was für ein gutmütiger Zeitgenosse!
Chlobi und ich tranken noch unseren Kaffee fertig und für mich war es nun an der Zeit mich meinem Knie und seinem Aufbau zu widmen. Physio war angesagt und so verabschiedete ich mich von Chlobi, sah die blauen Krücken dastehen, fiel in ein urplötzliches Déjà-vu und griff, wie Frodo nach dem Einen, nach den Krücken von Chlobi. Erst als ich die Krücken schon in der Hand hielt, begriff ich wieder, dass ich eigentlich ja gar keine Krücken mehr brauchte und ein Augenblick später war uns beiden klar: You do not choose the life of a Cripple. It choses you!

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Dieser Artikel wurde verfasst von Shemaiah Siegenthaler

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