Life of a Cripple Part 4

18. Dezember 2016
Veröffentlicht von Shemaiah Siegenthaler

Eine Woche ist es nun her, seit ich meine Schiene nur noch neben dem Bett stehen habe. Ich werde langsam aber sicher von einem Krüppel zu einem Advanced-Krüppel. Das Gehen fällt einfacher, die Treppen lachen mich nicht mehr aus, sondern an und auf dem Fahrrad lass ich lockerflockig die Autos im 30er hinter mir stehen. Es geht aufwärts, vorwärts!
Nun merke ich, wie lohnenswert es war, mich während meiner überkrüppligen Zeit nicht ganz gehen zu lassen, sondern all das, was mir mein Knie nicht so recht gönnte, ganz einfach mit dem Oberkörper zu kompensieren. Und so sehe ich mich nun wieder zurück; nur stärker… und etwas motivierter! Chlobi und ich hatten schon zu nicht Krüppelzeiten wirklich gute Krafttrainings und auch als er noch nicht Krüppel war, ich aber schon, gönnten wir uns eine 1000er Woche. Sprich, wir verpflichteten uns zu 1000 Liegestützen in einer Woche. Im Vollrausch verpeilten wir die Sache aber beide so ziemlich und es endete dann darauffolgend in einer 2000er Woche. Sprich fast 300 Liegestütze am Tag, die wir kurz weghämmerten! Einmal, aber immerhin einmal, konnten wir uns sogar vor dem nachmittäglichen Kaffe&Sandwich Treffen für ein gemeinsames Training motivieren, natürlich mit grosser Vorfreude auf die Sandwiches; die VEGANEN Sandwiches.
Eine kräftige Umarmung und gleich einmal 50 Liegestütze zur Begrüssung
Chlobi und ich hatten uns dann diese Woche wieder für ein Training im Parkourpark im Rollingrock verabredet, um wieder mal unsere Körper ein wenig zu fordern. War immerhin schon 2 Tage her seit dem letzten Training… Aufgestanden, ins Bad gelaufen, in den Spiegel gegrinst und paar Grimassen gezogen, angezogen, um mir dann die Tasche umzuschwingen und mich aufs Fahrrad schwang. Auf der Bachstrasse beschleunigte ich den Drahtesel gleich mal auf diese 30km/h, bremste einige Nicht-Krüppel aus und heizte auf der Herzogstrasse an einigen Autos vorbei. Als Chlobi einige Minuten später, ebenfalls mit dem Fahrrad runtergebrettert, im Rollingrock ankam, gab es nach der kurzen, äusserst kräftigen Umarmung gleich mal 50 Liegestütze. Wir wärmten unsere Körper genügend ein, um in dieser Kälte unsere Körper ein wenig wohliger zu machen. Da wir beide schon wieder etwas fitter waren, wollten wir nicht so ein statisches Training machen. Sprich ich schwang ein bisschen von Stange zu Stange, balancierte, versuchte mich von Stange zu Stange fliegen zu lassen und machte zwischendurch einige klatschende Klimmzüge; weil’s Spass macht! Die eiskalten Stangen waren zu Beginn noch schwierig zu handhaben, doch umso mehr ich schwang, sprang und flog wurden meine Hände genügend warm und alles machte zu viel Spass, so dass die kalten Stangen mehr und mehr zur Motivation und zum Ansporn wurden, als dass sie zurückgehalten hätten.

Alte Instinkte brannten wieder auf und die Augen glänzten – Wir sind Powerkrüppel
Chlobi kann sich unterdessen auch wieder besser bewegen und liess die Krücken schon zuhause. In der ganzen Zeit, in der ich da rumtänzelte, war er mit verschiedensten Handstandübungen beschäftigt. Er ging rauf, runter, wieder rauf ohne ein einziges Mal den Boden zu berühren, pendelte seinen Körper in eine waagrechte Position und hielt diese für eine kurze Weile, nur um den Körper danach wieder in die Handstandposition zu pressen; ziemlich beeindruckend … selbst für mich …! Er konnte es sich aber nicht ganz verwehren, sich alter Zeiten Willen auch noch an die Stangen zu wagen. Alte Instinkte brannten wieder auf und die Augen glänzten. Sich rasch wieder fassend, erkennte er aber doch klar, dass er doch noch ein wirklicher Krüppel war. Das eben doch sehr Sorge gegeben werden musste und man sich ja nicht frühzeitig in eine brenzlige Situation stürzen sollte. Sich als Krüppel zu retten, ist bei weitem schwieriger, als sich als Advanced-Krüppel zu «safen», und den Unterschied zum Nicht-Krüppel wollen wir gar nicht mal weiter erwähnen. Doch auch als Krüppel ist es einfach enorm wichtig, all die angestaute Energie irgendwo hin zu buxieren! So sind wir keine «normalen», alltäglichen oder schwache Krüppel, nein, nein, wir sind Powerkrüppel!!! Gleich fünf Treppenstufen per Krücken zu überspringen wurde bald zum Standart unseres Krüppelskillrepertoirs. Parat zu sein und sich fit zu fühlen sind Krüppelaccessoires, die man sich besser gönnt. Es ist lohnenswerter ein Powerkrüppel zu werden und zu sein. Powerkrüppel. Wir sind Powerkrüppel!
Hier noch ein kleines Filmchen von unserem Park-Workout
Cripple4 YouTube play

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