Life of a Cripple Part 5

27. Dezember 2016
Veröffentlicht von Shemaiah Siegenthaler

Tage vergingen, Wochen verstrichen und auch Monate wurden zu Untertanen der Zeit. 14 Wochen sind es, seit meiner Knieoperation, seit meinem erneuten Einstieg in the Life of a Cripple und so bekomm‘ ich zu Weihnachten das schönste aller Geschenke! Ich spüre, wie wieder Kraft in mein Bein schnellt, wie ich mich fit und gesund fühle und mich in diesem Sinne von meinem Krüppeldasein langsam aber sicher verabschiede.
Wenn ich mich zurückbesinne an die Tage gleich nach der Operation und ich wieder mein geschwollenes Bein vor mir sehe, kraftlos und schwach, nicht im Stande sich selbst zu helfen, ausgestossen und verlassen und zusammengefasst schlichtweg überkrüpplig und gleichermassen opfrig, dann muss ich lächeln. Wenn ich mich zurückbesinne an die Tage, an denen ich mein Bein nur mit meinen Armen aufs Sofa buxieren konnte und ich versuchte die Opfrigkeit zu akzeptieren. An die Tage, an denen überschüssige Energie kein Platz fand und sich in putzigen Wutanfällen äusserte. An die Tage, an denen mir ein Sandwich zur Challenge wurde. Es sind diese Tage, die ich nicht vergessen will, denn sie sollen mich schützen von der zukünftigen Entscheidung, ob es nun eine gute Idee ist von diesem Dach zu springen oder nicht. Ob es wirklich nötig ist, den nächsten Sprung zu riskieren. „Was einem nicht umbringt, macht einem stärker“ ist so eine dieser Phrasen, die nicht unbedingt eintreffen müssen, denn wenn im Kopf immer noch der gleiche Kindskopf rumgeistert und immer mit der ermutigenden Stimme flüstert: „Doch doch, du kannst das. Mach‘s einfach!“, ja dann wäre es wohl langsam an der Zeit diese Stimme zu ersticken. Dumm nur ist: Ich LIEBE diese Stimme!
kaffe & Sandwiches halfen mir durch die schwere Zeit
Zu lernen, gibt es vor allem diese Stimme besser einzuschätzen und wirklich zu verstehen. Hat zwar in den letzten 6 Jahren nicht so recht funktioniert, aber wir sind ja immer gern offen für Neues….
Es ging vom gemütlichen Krüppel zum Powerkrüppel. Das Karma schenkte mir einen Krüppelkumpel. Es gab unzählige Kaffe & Sandwich Treffen. Es gab Krafttrainings und dann nochmal Sandwiches; natürlich vegan, was auch sonst? Es ging auf und ab und nur noch weiter hoch, um sich dann wieder einzupendeln in das Leben eines Nicht-Krüppels. So schaue ich nun zurück auf eine Zeit, geprägt von Krücken, Krüppels, Sandwiches und Trainings.
The night i became a Powercripple!
Der, mein, Meilenstein meiner diesjährigen Krüppelperiode war wohl das eine Mal, als ich beschloss, dass auch ein Krüppel nach Hause „laufen“ könne. Es war der Abend, an dem ich von der Tuchlaube in Aarau bis zu mir nach Hause stöckelte und nur eine Pause einlegen musste. Es war an diesem Abend, an dem ich erkannte: „Damn son, I’m one of those Powercripples!“ Für jemandem , der noch nie an Stöcken krüppeln musste, mag das wahrscheinlich nicht so beeindruckend klingen, aber jeder, der schon dem Gleichen ausgesetzt war wie ich, der wird erkennen, dass eine solche Distanz mit Krücken nicht einfach ruckzuckzackzack dahin geschmettert wird. Naja, jedenfalls bin ich nun einfach wieder superduper happy, dass mein Knie wieder gesund ist und nur noch fitter wird und ich die Krücken weglegen darf; zumindest fürs Erste.
Die letzten Worte..
So wünsche ich all meinen Leidensbrüdern nur Geduld, denn alles vergeht und alles heilt! Mut und Stärke sich aufzuraffen und zu trainieren. Aufzustehen und nicht stehen zu bleiben und die Kraft dazu zu einem Powerkrüppel zu werden, um dann stärker aus der Verletzung zu treten, als man hineinschlitterte! Nun genug dieses sentimentalen Bullshits… wunderbare Zeit euch allen und vielen Dank für all die Menschen, die bei mir waren et cetera et cetera! Allen ein wunderschönes und vor allem unfallfreies nächstes Jahr.

Merry Crippless


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Dieser Artikel wurde verfasst von Shemaiah Siegenthaler

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